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Eine Braune: Die Menge drängt heran, Euch zu umschranzen. Ich bitt` um Mittel! Ein erfrorner Fuß Verhindert mich am Wandeln wie am Tanzen, Selbst ungeschickt beweg` ich mich zum Gruß.
Mephisto: Erlaubet einen Tritt von meinem Fuß. Die Braune: Nun das geschieht wohl unter Liebesleuten. Mephisto: Mein Fußtritt, Kind! Hat Größres zu bedeuten.
Zu Gleichem Gleiches, was auch einer litt; Fuß heilet Fuß, so ist`s mit allen Gliedern. Heran! Gebt acht! Ihr sollt es nicht erwidern.
(Goethe, Faust II, Erster Akt)
Hahnemann Goethe
Das Ähnlichkeitsgesetz
Wir erkennen also, dass auch Goethe Kenntnis erlangt hatte vom Ähnlichkeits- gesetz, das der Homöopathie zugrunde liegt. Der Arzt Samuel Hahnemann (1755 – 1843) formulierte dies als erster klar und deutlich und nahm es als Basis, um seine Heilmethode, die „Homöopathik“, wie er sie in seinem Organon der Heilkunst (6. Auflage, Haug-Verlag, Heidelberg, 4. Nachdruck, 1995) nannte, darauf aufzubauen.
Das Gesetz der Ähnlichkeit war freilich schon vor Hahnemann im Prinzip bekannt. Bereits bei Hippokrates und Paracelsus finden sich Andeutungen davon. Hahnemann blieb es jedoch vorbehalten, die ihm zugrunde liegenden Naturgesetze klar zu erkennen und daraus ein ganzes Heilsystem, eine Therapiemethode, die wir heute unter dem Namen Homöopathie kennen und sein großes
„Similia similibus curentur“
(Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt)
zu entwickeln.
Lebenskraft
Er geht dabei als erstes davon aus, dass jede Erkrankung durch eine – wie er es nennt – „Verstimmung der Lebenskraft“ verursacht wird (§§ 11 – 12 seines Organon, 6. Auflage). Diese Verstimmung nennt er in Anlehnung an die Begriffe seiner Epoche Miasma, was aus dem Griechischen stammt und wörtlich übersetzt „Verunreinigung“ oder „Besudelung“ bedeutet.
So wie jedes elektrische Gerät, von der Stereo-Anlage bis zum Rasenmäher, nur funktioniert, wenn elektrischer Strom fließt, so kann jeder Organismus nur solange existieren, wie ihn die Lebenskraft durchströmt und in Harmonie erhält. Obwohl kurz nach dem Tode materiell noch alles vorhanden ist, fängt der Organismus unwiederbringlich von dem Augenblick an, zu zerfallen, in dem ihn die Lebenskraft verlassen hat.
Nur durch Beeinflussung des Gleichgewichts dieser Lebenskraft kann Krankheit entstehen oder Heilung geschehen!
Genau hier setzt die Homöopathie an.
Es geht darum, eben diese Verstimmung der Lebenskraft durch nach den Regeln der Kunst ausgewählte, homöopathische, Heilmittel zu beseitigen.
Dies kann bei akuten Krankheiten durch spezifische, den Krankheitssymptomen entsprechende Mittel geschehen.
Ohne das Thema hier vertiefen zu wollen, soll bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass es schwieriger wird, wenn eine chronische Erkrankung erworben wurde und noch schwieriger, wenn die Verstimmung der Lebenskraft bereits vor Generationen begonnen hat.
So ist es beispielsweise wichtig, wer Ihre Großmutter war und was diese für Krankheiten hatte oder, falls sie bereits verstorben sein sollte, was ihre Todesursache war. Durch Ihre genetische Prägung kann es nämlich durchaus sein, dass sie z.B. deren Herzschwäche oder ihre rheumatischen Beschwerden geerbt haben und sich diese irgendwann auch bei Ihnen bemerkbar machen werden. Bei chronischen Krankheiten haben die Verschreibungen deshalb vor allem auch nach der Struktur der erblichen „Belastungen“ der Patienten zu erfolgen. (Stichwort also vererbte chronische Krankheiten oder – homöopathisch ausgedrückt - „hereditäre Miasmen“).
Potenzierung
Neben der klaren Formulierung des Ähnlichkeitsgesetzes fand das Genie Hahnemanns jedoch noch ein zweites, nicht weniger bedeutsames, Gesetz heraus, nämlich das Gesetz der Potenzierung.
Dies besagt, dass Arzneien umso stärker und nachhaltiger auf die Lebenskraft einwirken können, je stärker sie dynamisiert worden sind. Diese Dynamisierung – oder auch Potenzierung – erfolgt durch einen in Hahnemanns Organon (6. Auflage) im § 269 genau beschriebenen Prozess.
Durch eine Kombination aus Verdünnung und Verreibung bzw. Verschüttelung werden die Arzneien mit Energie „aufgeladen“, ohne einen durch die Verdünnung normalerweise zu erwartenden Verlust der Wirksamkeit zu erleiden.
Der nicht-materiellen Lebenskraft muss nämlich mit einem adäquaten, also ebenfalls nicht-materiellen, homöopathischen Arzneimittel begegnet werden, um sie überhaupt zu erreichen bzw. beeinflussen zu können.
So schrieb schon seinerzeit PARACELSUS:
„Was die Zähne kauen, ist die Arznei nit; niemand sieht die Arznei. Es liegt nit am Leib, sondern an der Kraft. Die Arznei soll im Leib als ein Feuer wirken und soll so gewaltig in den Krankheiten handeln als ein Feuer handelt in einem Scheiterhaufen.
Mag man nun ein Gewicht des Feuers finden, wieviel in einen Holzhaufen gehöre, Ihr sehet, wie ein Fünklein schwer genug ist, einen Wald zu verbrennen. Nun ist das Fünklein ohn Gewicht. Also versteht auch die Administrierung der Arznei, dass nit die Qualität des Corpus soll betrachtet werden, sondern das Fünklein; nit in dem Gewicht, sondern außerhalb dem Gewicht soll die Arznei administriert werden. Denn die Arcana der Elementen ist unsichtbar.“
Angesichts dieser uralten Erkenntnisse fragt man sich wahrhaftig, was unsere so genannte moderne Naturwissenschaft so alles ignoriert haben muss, wenn manche ihrer Vertreter Aussagen machen wie z.B.: „Homöopathie ist, wenn ich eine Flasche Milch in den Bodensee schütte und sage, dass dadurch im See etwas verändert wird.“ Nun ja.
Das eben ist genau das Problem der Wissenschaften unserer Tage, dass sie sich so gar nicht lösen wollen von ihrer materiellen Fixierung.
Dabei ist schon an einfachsten Beispielen jedermann deutlich zu machen, dass die Essenz allen Seins eben nicht-materieller Natur sein muss oder haben Sie schon einmal gehört, dass durch Öffnen eines Schädels und Untersuchung des Gehirns irgendein Pathologe jemals einen Gedanken zu Gesicht bekommen hätte, geschweige denn, diesen etwa hätte vermessen oder wiegen können?
Auch ist mir nicht bekannt, dass durch Einstampfen, Auflösen und chemisches Analysieren etwa eines Buches jemals dessen geistiger Gehalt dem Untersuchenden offenbar geworden wäre.
Jeder erkennt hier sofort den Unsinn, dass nämlich die falsche Methode der Annäherung an einen Gegenstand zwangsläufig auch falsche Resultate in seiner Erforschung produzieren muss.
Genauso aber verhält es sich, wenn die Naturwissenschaft versucht, sich dem Wesen des Lebens und damit dem zentralen Kern des ganzen Mensch-Seins zu nähern.
Doch zurück zu Hahnemann. Dieser hatte über das bereits Dargestellte hinaus erkannt, dass eine Erkrankung dann verschwindet, wenn eine weitere den Organismus ergreift und diese zweite der ersten ähnlich ist. Die neue Krankheit muss allerdings stärker als die alte sein, um heilend zu wirken. So verschwinden z.B. die Windpocken bei einem daran Erkrankten, wenn sich dieser auch noch mit Pocken infiziert.
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